»Abtrünniges Blut«
 

»Abtrünniges Blut«

Ein Serienmörder durchstreift die eisigen Straßen der Stadt. Seine Opfer hinterlässt er bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Doch die Justiz wird von einer politischen Intrige in Atem gehalten: In Regierungskreisen herrscht die Sorge, Anhänger des abgesetzten Stuart-Königs könnten das Land in einen neuerlichen Tumult stürzen. Richter Henry Fielding beauftragt daher einen ehemaligen Spion der Krone, die Abtrünnigen aufzuspüren - John Shinfield, Esquire.

Seine Nachforschungen führen John in Londons vornehmste Herrenhäuser und schmutzigste Gassen. Was haben die Verschwörer mit den bestialischen Morden an jungen Prostituierten zu tun? Und warum wird John immer mehr von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt, je tiefer er gräbt?

Es ist ein langer und gefährlicher Weg, bis John eine niederschmetternde Erkenntnis trifft.


»Die Nacht war sein bester Freund. Er unterdrückte ein Grinsen. Sie war auch sein einziger Freund. Kalter Nebel zog durch die schmale Gasse, in der er sich in eine Mauernische gedrückt hatte. Über dem nahen Hintereingang einer Spelunke brannte eine kleine Laterne. Sie spendete das einzige Licht weit und breit, vermochte es jedoch nicht, mehr als zwei Schritte in den Nebel vorzudringen. Wie bedächtig tanzende Schatten waberte der Dunst feucht in dem schmalen Lichtkegel vor der hölzernen Tür. Er schloss die Augen. Atmete den Nebel genüsslich ein. Spürte, wie die feuchten Finger versuchten, sich durch den Stoff seines dunklen Mantels zu stehlen. Wie die zaghafte Liebkosung einer Toten. Ein wohliger Schauer lief ihm den Rücken hinunter. Er leckte sich über die Lippen.«

Niemand ist sicher. Und nichts ist wie es scheint. ZUR LESEPROBE